Samstag, 23. August 2008
Vor 16 Jahren - Teil 2 (Die schwerste Entscheidung)
Das Gespräch mit seinem Boss hatte Song Hui schwer aufgewühlt. Er musste auf dem schnellsten Weg von hier verschwinden. Nicht nur aus dem Haus, nicht nur aus New Dunsmuir, nein, er musste mit seiner Familie inkl. dem unverhofften Zuwachs so schnell wie möglich Beaumonde verlassen - und das auch noch, ohne großes Aufsehen zu erregen.

Während Song Hui noch an einer Lösung grübelte, schallte der Alarm durchs Haus.
"Was ist los?", wollte er von einer der Wachen wissen.
"Sie kommen", lautete die knappe Antwort.

Nun musste Song Hui rasch handeln. Er rannte zum Spielzimmer, wo er die beiden Jungen mit ihren Müttern vorfand, und umarmte seinen Sohn, bevor er die Frau seines Chefs ansprach: "Han Li hat mir aufgetragen, Euren Sohn in Sicherheit zu bringen."
Han E wusste nur zu gut um die Lage ihres Mannes - und ihre eigene. Mit Tränen in den Augen drückte sie Han Long fest an sich und wandte sich zum Gehen.
"D'un Yi Shia", hielt Song Hui sie auf. Unter dem erschrockenen Blick seiner eigenen Frau reichte er Han E die Hand seines eigenen Sohns.

"Ich verstehe nicht", sagte sie ehrlich.
"Die Schergen der Wangs erwarten bei ihrem Eintreffen eine komplette Familie inklusive zweijährigem Sohn. Und genau die werden sie auch vorfinden", entgegnete Song Hui gefasst.
"Das kann Li unmöglich von Dir verlangt haben." Der Schock stand Han E ins Gesicht geschrieben.
"Hat er auch nicht. Aber nur so kann ich Long unauffällig von Beaumonde wegschaffen."
"Nein", kreischte Song Feng hysterisch. "Das lasse ich nicht zu. Du wirst nicht - nein, ich..."
"Bi Jweh!" Song Hui verpasste seiner Frau eine derart überraschende und harte Ohrfeige, dass sie weinend und schluchzend zusammenbrach. "Denkst Du, mir fällt diese Entscheidung leicht? Ich habe Han Li versprochen, seinen Sohn zu retten, und genau das werde ich tun. Und Du wirst mit mir kommen. Dohn luh mah?"
"Ni Ching Soh!", schrie Feng und weinte hysterisch.
'Das habe ich wohl verdient', dachte Hui bei sich. 'Aber es muss sein.' Wortlos half er seiner Frau, die sich nach kurzer Gegenwehr schließlich fügte, wieder auf. Dann wandte er sich wieder an die Hausherrin: "Nimm Dan und geh zu Deinem Ehemann. Wir verschwinden mit Long durch den Tunnel."

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