Montag, 18. August 2008
Vor 16 Jahren - Teil 1 (Das Ende naht)
chessray, 01:38h
Han Li Wasong war verzweifelt. Der Wangsche Erbfolgekrieg hatte immer größere Kreise gezogen. Und heute oder spätestens morgen würde er an seiner Tür ankommen.
Für Li gab es kein Entrinnen. Er hatte auf den falschen Wang-Bruder gesetzt. Beide waren zwar nicht unbedingt zimperlich bei der Wahl ihrer Mittel, aber Wang Jie Fojung beschränkte sich in puncto Gewaltanwendung für gewöhnlich auf das Allernotwendigste. Diese Haltung entsprach mehr der Tradition des Han-Tong.
Sein jüngerer Bruder Wang Hu Fokang hingegen war ein rücksichtsloser und brutaler Sadist. Dies galt insbesondere, seit vor etwa einem halben Jahr seine Frau Bao ins Kreuzfeuer geraten und gestorben war. Bis heute hatte niemand geklärt, welche Seite den letztendlich tödlichen Schuss abgegeben hatte. Wang Hu war das egal. Er hatte blutige Rache an seinem Bruder und dessen eifrigsten Helfern - eben den Hans - geschworen.
Für Han Li gab es kein Entrinnen. Das wusste er genau. Der Kodex verlangte von ihm, sich Wang Hu zu stellen. Aber er sah keinen Grund, warum sein kaum zwei Jahre alter Sohn Han Long ein Opfer dieses unseligen Tong-Kriegs werden sollte. Daher hatte er seinen engsten Vertrauten Song Hui Pandu zu sich gebeten. Die Geschicke der Hans und der Songs waren seit über 25 Generationen eng miteinander verbunden; einst hatte Han Lis Uhrahn Han Bo sein Leben gegeben, um das seines Kameraden Song Jie zu retten, woraufhin dieser gegenüber der Familie Han einen Treueschwur geleistet hatte, der auf den jeweils Erstgeborenen übergegangen war.
"Song Hui", begann Han Li, "unsere Familien haben gemeinsam viele Krisen überstanden."
"Fürwahr, Han Li. Doch keine reichte auch nur ansatzweise an die aktuelle heran." Song Hui kam immer schnell zum Punkt.
"Das sehe ich - bedauerlicherweise - ähnlich." Han Li seufzte. "Wang Hu wird keine Gnade walten lassen. Zu tief hat ihn der Tod seiner Frau und seines ungeborenen Kindes getroffen. Seine Rachsucht wird erst befriedigt sein, wenn meine Familie getötet wurde. Aber den Gefallen werde ich ihm nicht tun."
"Wie meinst Du das, Chef? Willst Du fliehen?"
"Nein, er würde mich sicher finden. Auch E hat keine Chance." Bei dieser Erkenntnis, das auch das Schicksal seiner Frau besiegelt war, hatte er Tränen in den Augen. "Unsere Gesichter sind einfach zu bekannt."
Han Li schlug mit den Fäusten auf seinen Schreibtisch. "Aber Long kann entkommen. Er ist völlig unbeteiligt an dieser Sache. Ich sehe nicht ein, dass sein Leben bereits beendet werden sollte, bevor es wirklich begonnen hat."
"Was hast Du vor?"
"Ich habe gar nichts vor. Du wirst ihn von hier fortbringen. Am besten sofort. Nimm ihn, Dan und Feng, und verschwindet von hier."
Song Hui traute seinen Ohren nicht. Er schüttelte den Kopf. "Nein, Chef. Ich werde nicht von Deiner Seite weichen."
"Song Hui, ich habe Dich immer mehr als Freund denn als Angestellten gesehen und weiß Deine Treue zu schätzen, die weit über einen einfachen Schwur hinausgeht. Aber jetzt erteile ich Dir einen klaren Befehl: Rette Dich und Deine Familie. Und rette meinen Sohn. Gib die beiden Jungs als Zwillinge aus, sie sind doch eh dauernd zusammen. Ein paar Leute arbeiten noch für mich, die den Cortex derart manipulieren können, dass es keinem auffallen sollte."
Song Hui musste diese Aussage kurz verdauen. Dann verbeugte er sich förmlich und antwortete: "Also gut. Wenn dies Dein Wunsch ist, soll es so geschehen."
Für Li gab es kein Entrinnen. Er hatte auf den falschen Wang-Bruder gesetzt. Beide waren zwar nicht unbedingt zimperlich bei der Wahl ihrer Mittel, aber Wang Jie Fojung beschränkte sich in puncto Gewaltanwendung für gewöhnlich auf das Allernotwendigste. Diese Haltung entsprach mehr der Tradition des Han-Tong.
Sein jüngerer Bruder Wang Hu Fokang hingegen war ein rücksichtsloser und brutaler Sadist. Dies galt insbesondere, seit vor etwa einem halben Jahr seine Frau Bao ins Kreuzfeuer geraten und gestorben war. Bis heute hatte niemand geklärt, welche Seite den letztendlich tödlichen Schuss abgegeben hatte. Wang Hu war das egal. Er hatte blutige Rache an seinem Bruder und dessen eifrigsten Helfern - eben den Hans - geschworen.
Für Han Li gab es kein Entrinnen. Das wusste er genau. Der Kodex verlangte von ihm, sich Wang Hu zu stellen. Aber er sah keinen Grund, warum sein kaum zwei Jahre alter Sohn Han Long ein Opfer dieses unseligen Tong-Kriegs werden sollte. Daher hatte er seinen engsten Vertrauten Song Hui Pandu zu sich gebeten. Die Geschicke der Hans und der Songs waren seit über 25 Generationen eng miteinander verbunden; einst hatte Han Lis Uhrahn Han Bo sein Leben gegeben, um das seines Kameraden Song Jie zu retten, woraufhin dieser gegenüber der Familie Han einen Treueschwur geleistet hatte, der auf den jeweils Erstgeborenen übergegangen war.
"Song Hui", begann Han Li, "unsere Familien haben gemeinsam viele Krisen überstanden."
"Fürwahr, Han Li. Doch keine reichte auch nur ansatzweise an die aktuelle heran." Song Hui kam immer schnell zum Punkt.
"Das sehe ich - bedauerlicherweise - ähnlich." Han Li seufzte. "Wang Hu wird keine Gnade walten lassen. Zu tief hat ihn der Tod seiner Frau und seines ungeborenen Kindes getroffen. Seine Rachsucht wird erst befriedigt sein, wenn meine Familie getötet wurde. Aber den Gefallen werde ich ihm nicht tun."
"Wie meinst Du das, Chef? Willst Du fliehen?"
"Nein, er würde mich sicher finden. Auch E hat keine Chance." Bei dieser Erkenntnis, das auch das Schicksal seiner Frau besiegelt war, hatte er Tränen in den Augen. "Unsere Gesichter sind einfach zu bekannt."
Han Li schlug mit den Fäusten auf seinen Schreibtisch. "Aber Long kann entkommen. Er ist völlig unbeteiligt an dieser Sache. Ich sehe nicht ein, dass sein Leben bereits beendet werden sollte, bevor es wirklich begonnen hat."
"Was hast Du vor?"
"Ich habe gar nichts vor. Du wirst ihn von hier fortbringen. Am besten sofort. Nimm ihn, Dan und Feng, und verschwindet von hier."
Song Hui traute seinen Ohren nicht. Er schüttelte den Kopf. "Nein, Chef. Ich werde nicht von Deiner Seite weichen."
"Song Hui, ich habe Dich immer mehr als Freund denn als Angestellten gesehen und weiß Deine Treue zu schätzen, die weit über einen einfachen Schwur hinausgeht. Aber jetzt erteile ich Dir einen klaren Befehl: Rette Dich und Deine Familie. Und rette meinen Sohn. Gib die beiden Jungs als Zwillinge aus, sie sind doch eh dauernd zusammen. Ein paar Leute arbeiten noch für mich, die den Cortex derart manipulieren können, dass es keinem auffallen sollte."
Song Hui musste diese Aussage kurz verdauen. Dann verbeugte er sich förmlich und antwortete: "Also gut. Wenn dies Dein Wunsch ist, soll es so geschehen."
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