Sonntag, 17. August 2008
Vor 18 Jahren
Han Li Wasong war glücklich. Nur selten hatte Hui Pandu ihn so fröhlich gesehen, vor allem in letzter Zeit. Sein Chef fühlte sich zu jung für seine neue Rolle als Tong-Chef. Aber seit sein Vater Han Feng Hotan das Krankenbett hütete, führte er die Familiengeschäfte. Und das gerade jetzt, wo die Wangs immer mehr in das Han-Territorium eindrangen. Bei den Wangs tobte eine offene Rivalität zwischen den beiden Söhnen des Anführers um dessen Nachfolge, was einige Kollateralschäden verursachte.

Früher oder später würden die Hans sich auf eine der beiden Seiten schlagen müssen. Hui Pandu hoffte nur, dass sein Boss die richtige Wahl treffen würde. Aber heute war das alles belanglos. Da lag Han Long Weitsun, das erste Kind seines Chefs. Hui Pandu konnte Li Wasongs Hochgefühl nur zu gut nachvollziehen, war er doch selbst erst vor einer Woche Vater eines Sohnes geworden. Er wünschte dem jüngsten Han, dass er noch lange von den Sorgen verschont bleiben würde, mit denen sich sein Vater viel zu früh auseinandersetzen musste. Fest stand aber bereits jetzt, dass dort ein außergewöhnlicher Junge lag. Zwar war er mit verkümmerten Stimmbändern zur Welt gekommen, aber vielleicht würde man das eines Tages reparieren können - wenngleich das wohl nicht hier in New Dunsmuir gelingen würde.

Viel wichtiger und vor allem markanter war jedoch das Mal des Drachen, zumindest für die Traditionalisten. Hui Pandu zählte sich zwar nicht unbedingt dazu, aber in der momentan angespannten Lage klammerte man sich an jede Hoffnung. Wenn diese fünf ringförmig angeordneten Leberflecke an der Hüfte des Jungen tatsächlich Glück bedeuteten, würde der Tong diese Krise vielleicht doch gut überstehen.

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